Blockade gegen Stressabbau? Was alle Beteiligten von modernem Konfliktmanagement lernen können

Die Ausgangsdaten, die diese Woche den Anlaß für den „Sturm im Wasserglas“ um die sogenannte „Anti-Stress-Verordnung“ geliefert haben, sind sauber erhoben und belastbar. Die „Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin“ (BAUA) steht gemeinhin nicht im Verdacht, tendenzielle Datenerhebung und Datenanalyse zu betreiben.

Der „Stressreport Deutschland 2012“ legt den Finger in einige relevante Wunden, nicht zuletzt beim auch im Umfeld der Sanierungs- und Restrukturierungsberatung immer wieder bemängelten kritischen Umgang mit den gesundheitlichen Begleiterscheinungen von Personalbbau und Umstrukturierungen.

Wer in den vergangenen Jahren gerade in Großunternehmen Angebote zum Thema „gesundheitsorientierte Führung“ umgesetzt hat, wird sich über die Ergebnisse der neuen Befragungswelle ohnehin nicht gewundert haben: „Bei der Planung von Veränderungsprozessen ist es daher notwendig, die entscheidenden Schlüsselgruppen (z. B. Management, Mitarbeitervertretungen, und Berater) besser auf ihre Aufgabe im Reorganisationsprozess vorzubereiten“ (BAUA-Bericht, Kurzfassung, S. 3).

Es ist auch keine neue Erkenntnis, daß nach einem Tiefstand im Jahre 2005 die Krankenstandsdaten wieder kontinuierlich angestiegen sind. Man kann trefflich über Trends bei der Diagnosenvergabe durch Ärzte streiten und nicht ohne Grund mutmaßen, daß wem früher „unklare Rückenschmerzen“ diagnostiert wurden, heute schneller mit dem Thema „Belastung und Beanspruchung“ konfrontiert wird. Aber ist das ein Nachteil?

Selbst wenn man einen Teil der Zuwächse von Diagnosen im Stress- und Belastungsumfeld „nur“ einem veränderten Zuschreibungsverhalten anrechnet, kein seriöser Experte würde wohl soweit gehen, den Anstieg bei den psychischen Erkrankungen in den Belegschaften alleine durch „Umbennungseffekte“ zu charakterisieren. Schon allein, weil wir ziemlich genau wissen, was im Unternehmen gesund erhält und ein Blick auf die einzelne Organisation durchaus klare Erkenntnisse darüber erlaubt, warum es im Unternehmen A so viel besser als im Betrieb B funktioniert!

Warum also die umfassende und öffentlich inszenierte Aufregung?

Vermutlich z.B., weil auf Unternehmerseite die Sorge besteht, mit einem extremen „Breitband-Thema“, wie der Gesundheitsförderung werde die unternehmerische Entscheidungsfreiheit Schritt für Schritt ausgehöhlt auf ein „gesetzliches Minimum“ reduziert.

Man möchte den Parteien in dieser Auseinandersetzung die Lektüre des „Harvard-Konzeptes“ der Verhandlungsführung empfehlen und der Politik wie den Tarifparteien vor allem das zweite Harvard-Prinzip nahe bringen: „Konzentrieren Sie sich auf Interessen, nicht auf Positionen!“ Dann könnten vielleicht tatsächlich die erheblichen wirtschaftlichen Potentiale gehoben werden, die im Betrieblichen Gesundheitsmanagement stecken: von KMUs bis zu den Weltkonzernen – und zum Nutzen aller Beteiligten von den belasteten ArbeitnehmerInnen bis zu den Gesellschaftern!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s