Wie wirkt „Coaching mit Pferden“? Richtige Antworten auf falsche Fragen

Tiergestützte Interaktionsarbeit wird gerne „zur Diskussion gestellt“, vor allem von denen, die noch nie eine derartige Veranstaltung besucht haben und besonders gerne mit „starken“ Thesen unterlegt: „reine Incentivierung“, Esoterik, vor allem aber: nicht wissenschaftlich!

Die Standardreaktion wäre,  auf den Bedenkenträger einzugehen, der scheinbar so gute Gründe vorbringt: leider, leider bisher nicht genug Metaanalysen und Evaluationsstudien. Sicher in fünf Jahren, und die Universität da und da bereitet etwas vor … .

Als Organisations- und Führungskräfteentwickler, die in ihren Projekten mit Pferden arbeiten, sieht unsere Antwort jedoch ganz anders aus. Denn, wenn wir schon über Wirkung sprechen, dann darf man das (reale und sprichwörtliche) Pferd nicht von hinten aufzäumen, sondern wir müssen über Veranstaltungsdesigns reden und sehr deutlich machen, wo und wie genau Pferde bei Training und Coaching „ins Spiel“ kommen!

Für uns geht es dabei um  die Integration eines neuen Elementes in den Referenzrahmen „Aktionslernen“. Dies geschieht bei der Arbeit mit Pferden in Form einer Outdoor-Übung, bei der neben der Reflexion innerhalb der Lerngruppe die Auseinandersetzung mit dem Pferd als einem „dynamischen Gegenüber“ zusätzliche Lernoptionen bietet. D.h., wenn wir über Didaktik sprechen, dann über das angemessene Verständnis von Aktionslernen, nicht über tiergestützte Intervention an und für sich: „Action Learning ist eine Art des Erfahrungslernens, die direkt den Prozeß des Problemlösens mit dem Prozeß des Lernens kombiniert. Es wendet sich an Lernpartner, die Verantwortung für ihren Part übernehmen, und es fordert Aufmerksamkeit für den Prozeß des Lernens der Beteiligten. Es begünstigt die Entwicklung unternehmerischen Verhaltens bei Mitarbeitern und Leitenden.“ (Lazeron & Donnenberg, 1999: 115)

Innerhalb dieses Referenzrahmens stellt unsere zweitägige Projektarbeit mit Pferden eine klar abgeleitete „Outdoor-Aktion“ dar, verbunden mit dem Ziel, „in ungewohnten Situationen intensiver zu erleben, wie Beteiligte mit Grenzsituationen und neuen Erfahrungen umgehen und wodurch es ihnen gelingt, Grenzen der Komfortzone zu überschreiten“ (ebd., 116).

Die Umsetzung einer konkreten Aufgabe in Kleingruppen steht immer im Vordergrund, Es geht z.B. nach dem Erwerb grundlegender Regeln im Umgang mit den Tieren um die Aufgabe, als Kleingruppe mit einem Pferd am Ende des Trainings erfolgreich einen Parcour mit unterschiedlichen Übungen zu bewältigen.

Das ist nicht Esoterik, sondern handfestes Change Management!

Ihre Kontakte

Claudia C. Soestmeyer (Claudia_Soestmeyer@kambs-consulting.de)

Dr. Pantaleon Fassbender (Pantaleon_Fassbender@kambs-consulting.de)

Literatur

Gomolla, A. & Machener, L. (2007). Das Therapiepferd. Lehre und Ausbildung. Pferdemarkt, 3/2007: 146-148.

Lazeron, N. & Donnenberg, O. (1999). Wie organisiere und gestalte ich ein Action-Learning-Programm? In E. Donnenberg (1999). (Hrsg.). Action Learning. Ein Handbuch (S. 108-145). Stuttgart: Klett-Cotta.

Miller, R.M. & Lamb, R. (2005). The Revolution in Horsemanship. Guilford, CT (USA): Lyons Press.

Stiefel, R.T. (2010). Strategieumsetzende Personalentwicklung. Schneller lernen als die Konkurrenz. Wien: Linde.

Wohlfarth, R. Mutschler, B. & Bitzer, E. (2012). Wirkmechanismen tiergestützter Therapie : Theoretische Überlegungen und empirische Fundierung. Download am 8.3.2013 über http://www.tiere-begleiten-leben.de/.

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